Sommerloch?

Wenn es die Städter des neunzehnten Jahrhunderts in die ländliche Idylle zog und sie die sommerlichen Freuden der frischen, grünen Natur suchten, um der drückenden Hitze und dem Staub den Rücken zu kehren, fuhren sie in die ‚Sommerfrische‘. Ein positiver, schöner und ein seltener Begriff für moderne Ohren. Sommerferien, Urlaub macht man heute, und mit dem begrifflichen Wandel wird zugleich ein inhaltlicher vollzogen. Nicht Ruhe, Entspannung oder Erholung sind primäres Ziel unserer Auszeiten, sondern Bildung, Status, Action und Entertainment!

Die Masken sind vorübergehend gefallen, ein akzeptabler Bevölkerungspool durchgegeimpft, also los, da weitermachen, wo wir vor Covid-19 aufgehört haben? Die Entscheidung muss jeder für sich treffen. Doch wo immer wir uns gerade befinden, dort wollen wir anscheinend nicht sein. Und die Sommer sind dank des selbstverschuldeten Klimawandels auch längst nicht mehr so wie im neunzehnten Jahrhundert. Stark- und Dauerregen mit tragischen Katastrophen, heftige Gewitterzellen mit Tornados, Hitzewellen … rette sich, wer kann!

Ein Blick auf die sozialen Plattformen offenbart, Deutschland scheint vorübergehend offline oder in das berühmte Sommerloch gestürzt zu sein. Die wenigen Unermüdlichen quälen sich tapfere Statusberichte ab, damit es ihnen nicht geht wie mir, die bei Instagram wegen zu geringen Traffics ‚runtergestuft‘ wurde. Boohoohoo! 😅 Nee, wirklich? Und noch während ich diese Zeilen schreibe, höre ich, als stünde er neben mir, meinen Deutschlehrer zu meiner Ermahnung zitieren:

»Getretener Quark wird breit, nicht stark.«

Johann Wolfgang von Goethe

(Aus seiner Feder stammte auch ein berechtigter, blutroter Tadel unter meiner Deutscharbeit: „Heather, Du verlierst die Kommata, wie der Esel im Galopp!“ und das ist leider fünfzig Jahre danach noch immer so.)

Ja, auch ich habe mich heute ganz bewusst aufgerafft, um wenigstens ein Lebenszeichen von mir geben und mich wegen der langen Pausen zu erklären. Zum Teil liegt es daran, dass ich einen Schlussstrich unter mein Memoir-Projekt (Non Fiction, erzählendes Sachbuch) ziehen konnte und es losgelassen habe; auf jeden Fall fühle ich, wie ersehnt, eine vollkommen neue, unbefangene Freiheit! Ich bin offen und bereit für meine fiktiven Stoffe, in erster Linie für mein schon vor Jahren begonnenes Lieblingsprojekt eines Urban Fantasy Romans. Nach reiflicher Überlegung habe ich bezüglich des Memoirs die Entscheidung getroffen, die geduldige, vielleicht aussichtslose, Suche nach einer Literaturagentur anzutreten, weil ich meine Grenzen akzeptiere und für die Umsetzung nicht ohne professionelles Know-how auskommen werde. Diesen Schritt gehe ich so gut wie möglich (auch literarisch und bzgl. Debüts und Alter auf Enttäuschungen) vorbereitet, aber gechillt an und warte ab, was geschehen wird. Die Wartezeit ist hervorragend aushaltbar durch die Arbeit am Folgeprojekt. 

Ich bin ein Kind des Frühlings und des Sommers, das schrieb ich schon an anderer Stelle und deshalb genieße ich die langen Tage, sofern sie nicht zu schweißtreibend werden. Sommerpause gilt für mich nur bezogen auf größerer Abstände zwischen meinen Beiträgen hier, denn ich bin nach wie vor immobil und in meinem ‚Home-Office‘. Da mein Schreiballtag kaum interessanten Stoff für regelmäßige Beiträge hergibt, werden sie zwangsläufig seltener werden, was im Herbst – dann kann ich weiter vorausschauen – zu einer Umstrukturierung meines, bisher ohnehin wenig beachteten, Blogs und Instagram-Accounts führen wird. Da werden die Tage dunkler und der Wunsch, in Nichtwirklichkeiten zu flüchten, ausgeprägter. Ich will schließlich selber Spaß an meinem Tun haben!

Euch, die Ihr hier trotz Sommerlochs oder Sommerpause noch unterwegs seid, wünsche ich eine gute Zeit, ohne Katastrophen und Erkrankungen. Vielleicht berichtet in den Kommentaren jemand, wie sie/er den Sommer 2021 für sich gestaltet und macht mir eine lange Nase?😎 

4 Kommentare zu „Sommerloch?

  1. Liebe Heather,
    schön, dass Dein Memoir-Projekt abgeschlossen ist. Jetzt gilt es, gute Veröffentlichungs-Möglichkeiten zu finden und da wünsche ich Dir viel Erfolg und Glück. Leicht wird es nicht, denke ich, aber auch nicht aussichtslos. 😊
    Mir ist es momentan nicht nach Schreiben, bin in einem meiner persönlicher „Löcher“ gelandet und könnte nur noch heulen. Aber da muss ich durch, wie immer …
    Morgen fahren wir nach Bad Sooden-Allendorf für drei Tage. Aus diesem Ort in Hessen kommen meine Vorfahren väterlicherseits, die der Einladung der Zarin Katharina II. gefolgt und nach Russland ausgewandert sind (im 18. Jahrhundert). Irgendwie kann ich mich heute auch darauf nicht freuen … aber ich werde Fotos machen und berichten …
    Herzliche Grüße
    Rosa

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    1. Liebe Rosa,
      es tut mir so leid, dass Dich das große schwarze Loch mit seiner unglaublichen Schwerkraft aufsaugen will – Deine Umlaufbahn hat Dich scheinbar wieder zu dicht herangeführt! Lass Dich von Deiner Liebsten in die Hand nehmen und führen, ein Ortswechsel ist vielleicht ein neues Ziel, ein kleiner Kerzenschein in der Depridämmerung?! Eure Route führt Euch in unsere Gefilde, vermutlich südlich an Kassel vorbei (wir wohnen hingegen etwas nördlich). Ich wünsche Dir/Euch eine inspirierende, beflügelnde Reise und wenn auch noch ohne Vorfreude, so dann zumindest voller positiver Neugier, ohne Druck, ohne „ich sollte … ich müsste … warum …“! Ich freue mich auf die Bilder!
      Ganz liebe Grüße,
      Heather

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      1. Danke, liebe Heather! Mir geht es auch wieder gut. 😊
        Wir sind in Bad Sooden-Allendorf, waren schon im Ort. Es ist überwältigend und ich hatte einen Kloß im Hals, als ich das alte Rathaus, die schönen Fachwerkhäuser sah … Morgen gehts weiter.
        Herzliche Grüße
        Rosa

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