Ich denk´ an Euch

Manche Rituale sind Krücken, auf die wir uns auf unserem unebenen Lebensweg stützen. Andere dienen als Kompass und scheinen uns zur Orientierung unverzichtbar. Einige sind Feuer, die uns die Dunkelheit erhellen und uns wärmen.

Wenn sie wichtiger werden als die Idee dahinter, müssen wir sie infrage stellen oder dürfen ihnen einen neuen Sinn geben, denn wir alle werden auch ohne Kompass, Krücken und Feuer ankommen.

Aus: Noris Order*, © H.M.K.

Geschenke? Zu verpflichtend. Gekaufte Weihnachtskarte? Zu gewöhnlich. Email? Ja geht´s noch! Selbstgemachte Weihnachtskarte? Schon besser. Schreiben? Schwierig, wenn ein schweres Augenleiden der Empfängerin das Lesen unmöglich macht. Telefonat? Joah … hach, ich und Telefon …! Eine Geschichte schenken? Nun, warum nicht! Vertont? Hhm – noch nie gemacht – sollte ich das mal versuchen? Aber ich konnte früher nicht einmal fehler-, lachanfallfrei und dabei trockenen Schlüpfers den Ansagetext auf meinen Anrufbeantworter sprechen!

Meine Entscheidung ist getroffen. Schon nächste Woche werden die Feiertage eingeläutet und die selbstgestaltete Weihnachtskarte mit der Adresse, die zu dieser Website Aurora pontelis führt, muss sich schleunigst auf den Postweg machen. Auf diese Website habe ich mit endlos geduldiger Tochterhilfe – Achtung, mutig! – eine Audio-Datei mit einem Märchen für die Öhrchen hochgeladen. Dieses weihnachtliche „Möhrchen“ ist jedem (erwachsenen) Besucher hier zugänglich, habe ich aber für zwei besondere Familienmenschen in der niedersächsischen Landeshauptstadt geschrieben und ihnen gewidmet. Sie sind meine letzte Verbindung in die Zeit VOR mir.

Liebe Hörer, bitte seid gnädig mit mir! Ich war hochmotiviert, habe aber weder eine geschulte Sprecherstimme, noch bin ich eine gute Lautleserin. Man hört meine Schüchternheit, man hört mein Verlegenheitsgrinsen, und meine berechtigte Verhaspel-Angst zerbombte die von mir gewünschte Betonung. (Professionelle Sprecher haben nicht nur eine Ausbildung, sondern auch jahrelange Erfahrung!) Aber das bin ich – ganz persönlich!

Wir wissen alle, wie außergewöhnlich dieses Weihnachtsfest ist, das vermutlich als „Corona-Weihnachten“ in die Geschichte eingehen wird, aber Kommunikation, also hören, zuhören und aufeinander eingehen, kann und muss ausnahmsweise auch kontaktlos gelingen. Nur das gewährleistet, dass wir uns, wenn das alles eines Tages vorüber sein wird, noch haben, um uns den Arm nehmen zu können.

Frohe Weihnachten, Euch allen! 🎄


*Bezieht sich inhaltlich auf die Hörgeschichte Aurora pontelis unter der Menü-Rubrik Kurzgeschichten

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