Was bleibt?

Was bleibt, wenn alle Blüten verwelkt sind?
Was bleibt, wenn der Herbstwind alle Blätter verweht hat?

Wir haben in voller Blüte gestanden.
Wir haben uns vermehrt.

Kein schmückendes Beiwerk mehr,
kein kokettes oder gnädiges Verhüllen.

Es bleiben trockene Stängel,  brüchiges Skelett der formgebenden Struktur.
Es bleibt aber auch die Ästhetik des inneren Wesens.

Der Herbst entblößt den tragenden, wahren Charakter,
den jetzt die letzte Last des Lebens prüft.

Wie verharschter Winterschnee muss sie getragen werden, 
bevor die Schmelze auch den letzten entzauberten Rest wegschwemmen wird, 
um den Boden für neue Wunder zu bereiten.

Was bleibt?
Wurzeln!

Dass der fühlende Mensch ein sehr naturabhängiges Wesen ist, wird besonders deutlich beim Wechsel der Jahreszeiten. Im Frühling blüht er ebenso auf, wie die Botanik um ihn herum, im Sommer lechzt er nach Flüssigkeit und im Winter nach Licht. Und der Herbst, nun ja, der scheint den Kranken, Depressiven, Alten und auch manchen Dichtern besonders verbunden. Dabei müssten wir spätestens nach (geschätzt) 20 Jahres-Durchläufen doch kapiert haben, wie Leben funktioniert. Auf Gehen folgt Kommen, auf Abschied folgt Neubeginn – ein scheinbar endloser Ring ohne Anfang, ohne Ende. Auch ich (nach über 65 Sonnenumläufen) hadere alljährlich mit dem Herbst, weil sich Hoffnung, Zuversicht und Gewissheit nur all zu gerne von der Larmoyanz in Bockshorn jagen lassen. Ein bisschen Selbstmitleid kann ganz okay sein, aber ein ausgiebiges Bad darin, könnte gefährlich enden!

Mal ganz im Ernst! Mir ist durchaus bewusst, wie wichtig das Bloggen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sein kann – ich gehöre schließlich selbst zu ihnen. Weil ich aber auch weiß, wie hochempfänglich viele Erkrankte für extrem depressive oder gar verstörende Texte sind und wie leicht sie durch sie in den Abgrund gezogen werden könnten, an dessen Rand sie sich selbst so gerade eben noch halten können, sollten auch die VerfasserInnen immer auch diese Wirkung im Auge behalten und eine zu ausführliche therapeutische Katharsis für Fachleute aufsparen. (Ich habe schon Unglaubliches gelesen!) Manche LeserInnen sind u.U. sogar noch minderjährig und wir alle tragen allein schon deshalb ein Stück Mitverantwortung für die Inhalte, die wir verbreiten. Der World Mental Heath Day ist zwar schon am 10.10. gewesen, aber für Betroffene gibt es kein Limit. Schreibt doch mal, wie Ihr das seht.

Es gibt überall Auswege, Umwege und Notausgänge, auch wenn unsere Erkrankungen oft verhindern, dass wir sie erkennen. Wir sollten jedoch im Hinblick auf andere Suchende, insbesondere auch durch die zusätzlich durch die Pandemie erschwerte Situation, in unseren Beiträgen immer darauf verweisen.

Ein therapeutisches Happyend, sozusagen. 🤍

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